Gut starten – Ziele und Argumente

Im Gebäudesektor gilt es, bis 2030 bundesweit rund 50 Millionen Tonnen CO₂ einzusparen. Als bevölkerungsreichstes Bundesland, mit einer besonderen Vielfalt der Regionen, nimmt Nordrhein-Westfalen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und Umsetzung lokaler Strategien zur energetischen Sanierung von Gebäuden und Infrastrukturen ein. Zugleich gilt es, die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden und Quartieren gegenüber Hitze, Starkregen und Trockenperioden mitzudenken, um die Wirkung energetischer Sanierungen und die gesellschaftliche und wirtschaftliche Resilienz langfristig zu sichern. 

Die rund fünf Millionen Wohnungen in den Stadtquartieren und ländlichen Räumen Nordrhein-Westfalens stammen zum größten Teil aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der laufende und anstehende Generationswechsel birgt jetzt eine einzigartige Chance der zielgerichteten Erneuerung. Denn die Quartiere in unseren Städten und Gemeinden sind die lokalen Orte der Identität und individuelle Heimat der Menschen. Hier möchte die Arbeitshilfe ansetzen und örtliche Akteurinnen und Akteure praxisgerecht darin unterstützen, energetische Erneuerung sowie technische Infrastruktur, Wohnumfeld und Freiräume, Flächen- und Ressourceneffizienz, Klimaschutz und Klimafolgenanpassung gemeinsam in lokaler Baukultur zusammenzuführen.

Integriert denken – gemeinsam handeln

Energetische Sanierung ist keine isolierte Aufgabe – Klimaschutz im Gebäudebestand lässt sich daher nicht nur auf technische Aspekte reduzieren. Gebäude stehen stets im regionalen und städtebaulichen Kontext. Sie sind eingebunden in Infrastrukturen, haben oft Zeugniswert für die Geschichte eines Ortes, gehören individuellen Eigentümerinnen und Eigentümern oder Unternehmen und Institutionen und dienen als vielfältige Lebens-, Arbeits- und Kulturorte. Somit ist es Anliegen und Ziel der Arbeitshilfe, energetische Gebäudesanierung immer in einen integrierten Kontext der Quartierserneuerung und auch der Resilienz der Quartiere gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen.

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Lebenswerte Quartiere schaffen, Foto: Daniel Sadrowski. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Best Practice: Beispiele für denkmalgeschützte Gebäude im Kontext energetischer Sanierung

Denkmalgeschützte Gebäude benötigen eine besonders behutsame energetische Sanierung, um die baukulturellen Werte und das Stadtbild langfristig nicht zu beschädigen. Guten Beispielen aus der Praxis kommen in diesem Gebäudesegment eine besondere Bedeutung zu, um sowohl die kommunalen Verantwortlichen für Klimaschutz und Denkmalpflege als auch Eigentümerinnen und Eigentümer denkmalgeschützter Gebäude zu überzeugen und potenzielle Ressentiments gegenüber der energetischen Gebäudesanierung abzubauen.

Leitfaden Energetischer Umbau im Quartier, Land Brandenburg:

Der Leitfaden des Land Brandenburg befasst sich besonders mit den Herausforderungen, vor die Kommunen heute gestellt sind und geht auf die Charakteristika für energetische Quartierskonzepte sowie dem Weg zum Konzept ein. Des Weiteren umfasst er Handlungsfelder des energetischen Umbaus wie Gebäudesanierung, Wärmeversorgung und erneuerbare Energien, als auch die praktische Umsetzung des Konzepts und die Finanzierung.

Vorderhaus, Rudolf-Steiner-Schule in Bergedorf-Süd:

Die Sanierung des denkmalgeschützten Vorderhauses der Rudolf-Steiner-Schule in Bergedorf-Süd in Hamburg ist ein Beispiel für die gute Umsetzung eines energetischen Sanierungskonzeptes. Infolge einer Innendämmung, einer Lüftungsanlage und der energetischen Verbesserung der Fenster wurde der Energiebedarf des Objektes halbiert.
 

Denkmalgeschütztes Wohnhaus, Duisburg:

In Duisburg wurde ein denkmalgeschütztes Wohnhaus durch die Samid Huskic GbR energetisch saniert und dabei der historische Charakter vollständig erhalten. Im Rahmen der Sanierung kamen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, ein neues Rohrleitungssystem für die Trinkwasserversorgung sowie eine Fußbodenheizung mit moderner Regelungstechnik zum Einsatz. Durch diese Maßnahmen konnten Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß deutlich gesenkt werden. Das Projekt zeigt, dass auch bei baulichen Einschränkungen durch den Denkmalschutz eine Integration moderner, effizienter Heizsysteme möglich ist und somit Klimaschutz und Denkmalschutz erfolgreich miteinander verbunden werden können.


KfW-Effizienzhaus Denkmal, Viersener Südstadt:

In der Viersener Südstadt wurde ein denkmalgeschütztes Gebäude mit Mitteln aus dem Förderprogramm „KfW-Effizienzhaus Denkmal“ energetisch saniert. Dabei wurde der Energiebedarf um 70 Prozent verringert. Das Gebäude war zuvor vom Leerstand geprägt und galt als nicht mehr verkehrssicher. Nun ist das KfW-Effizienzhaus Denkmal mit dreifach verglasten Holzfenstern, Dämmung von Dach, Fußboden und hofseitigen Fassaden sowie neuer Brennwerttechnik ausgestattet. 


Quartiersprojekt des kommunalen Wohnungsunternehmen Allbau, Essen SüdOstHöfe:

Im Südostviertel in Essen liegen die SüdOstHöfe, ein großes, saniertes Quartier mit rund 600 Wohnungen und sieben grünen Innenhöfen. In den letzten Jahren wurden hier durch Allbau umfängliche Sanierungsmaßnahmen mit einem Budget von rund 28 Millionen Euro umgesetzt. Ein besonderer Fokus wurde hierbei auf eine harmonische Farbgestaltung sowie den Erhalt architektonischer Details der Fassaden gelegt. Die Mieten der sanierten Wohnungen liegen im Schnitt zwischen 5,00 € und 5,25 € pro m2, womit sie für die Mieterinnen und Mieter bei deutlich verbesserter Qualität bezahlbar geblieben sind.