Projekte umsetzen
Ob mustergültig sanierte Modellgebäude, denkmalgerechte Sanierung, innovative Energieversorgung im Quartier, passgenaue Beratungsangebote oder neue Geschäftsmodelle, wirkungsvolle energetische Quartierssanierung braucht realisierte, sicht- und erlebbare Projekte.
Bei den Menschen im Quartier wird durch umgesetzte Projekte Akzeptanz für die Quartierserneuerung erzielt. Das motiviert Nachahmerinnen und Nachahmer und zieht weitere Umsetzungserfolge nach sich. Für die Kommunikation in der Quartierserneuerung ist es daher empfehlenswert, bereits in der Phase der Konzepterstellung, statt allgemeiner Maßnahmen möglichst konkret fassbare Projekte zu erarbeiten. Das bedeutet für Projekte klare Ziele, Verantwortlichkeiten und Arbeitsschritte zu definieren und Budgets zu kalkulieren, um so Sorge zu tragen, dass Verbindlichkeiten im Prozess festgeschrieben werden. Eine projektorientierte Verfahrens- und Planungskultur kann dabei die Akteurinnen und Akteure unterstützen, die Empfehlungen des Quartierskonzepts schrittweise umzusetzen. Die Werkzeuge für ein Projektmanagement in der Quartierserneuerung wenden sich besonders an das kommunale Quartiers- und Sanierungsmanagement, aber auch das öffentliche Vergabemanagement sollte nicht außer Acht gelassen werden. Dabei sollten Energieeinsparung, Klimaanpassung und die Aufwertung des Wohnumfeldes gemeinsam betrachtet werden als zusammenhängende Bausteine einer zukunftsfähigen, integrierten Quartiersentwicklung.
Energetische Erneuerung in Chemnitz Brühl. © Chemnitz Brühl.
Null Emissions Gemeinde Spendlingen Gensingen unter Projektträgerschaft Jülich, gefördertes Projekt mit Fokus auf die Energiewende. © BMBF, Foto Stefan Jedele.
Sanierung des Bielefelder Bahnhofs. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Forum Produktdesign in Solingen, Projekt der REGIONALE 2006. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Neubau der Gustavheinemann-Gesamtschule der Stadt Essen. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.
schlubi17, Südblick auf die Ostermannfiliale der Stadt Bottrop. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Samtweberei, Blick auf die urbane Nachbarschaft der Südweststadt in Krefeld. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, Foto Stefan Bayer.
Willich Stahlwerk Becker im Gewerbepark. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Das Projekt im Mittelpunkt
Welche Argumente sprechen für eine projektorientierte Verfahrenskultur in der energetischen und integrierten Quartierserneuerung? Grundsätzlich ist es sinnvoll, Vorhaben der energetischen und integrierten Quartierssanierung konsequent als Projekte zu begreifen: Diese haben definierten Ziele und Arbeitsschritte sowie einen vorgegebenen Zeitrahmen. Das erleichtert es den Beteiligten, ein Projektmanagement einzuführen und umzusetzen, welches den Projekterfolg an klaren Kriterien misst.
Gemeinschaftliche Ansätze der Quartiersentwicklung im Wohnprojekt QBUS in Düsseldorf. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Projektmanagement für Sanierungsmanager
Für die erfolgreiche Arbeit der Sanierungsmanagements ist ein gut strukturiertes und konsequentes Projektmanagement erforderlich. Insbesondere für Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger sowie Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer kann dies eine Herausforderung darstellen.
Unter Projektmanagement wird im Allgemeinen ein Managementprozess verstanden, der bei der Projektdefinition und -initiierung startet und die Planung, Durchführung sowie Kontrolle beinhaltet und nach dem Abschluss des Projektes endet. Um dieses erfolgreich durchzuführen, bedarf es der Wahrnehmung von Führungsaufgaben, der Organisation, der Anwendung der passenden Techniken und der Bereitstellung ausreichender Mittel für die Abwicklung eines Projekts. Die DIN-Reihe DIN 69901 legt beispielsweise die Prozesse und Verfahren für das Projektmanagement konkret fest. Das Sanierungsmanagement ist als ein klassischer Projektmanagementprozess zu betrachten. Da es sich hierbei aber nicht nur um die Organisation eines einzelnen Projektes handelt, kann man beim Sanierungsmanagement auch von einem Projektportfoliomanagement sprechen. Um ein erfolgreiches Sanierungsmanagement umzusetzen, bedarf es der Beachtung der nachfolgenden Aspekte innerhalb des Projektmanagements.
Projekte erfolgreich managen. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Nachhaltigkeitskriterien integrieren
Der Großteil des Gebäudebestandes in Quartieren ist zwar in privater Hand, jedoch finden sich sehr regelmäßig auch öffentliche oder durch die öffentliche Hand angemietete Gebäude, die es im Zeitverlauf ebenfalls einer energetischen Sanierung zu unterziehen gilt. Hier können Erkenntnisse aus anderen Projekten genutzt werden, um die Projektphase vor der Umsetzung als Institution wie Kommunalverwaltungen oder Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft zu qualifizieren. Eigene Vergabeleitlinien zu entwickeln, die soziale und umweltbezogene Aspekte als Qualitätsmerkmale entsprechend hoch gewichten, kann ein gut geeigneter Schritt in der kommunalen Organisation sein, um eigene Zielvorgaben verbindlich in die Umsetzung zu bringen.
Durch gezielte Regelungen im Vergabemanagement können öffentliche Bau- und Sanierungsprojekte umweltfreundlicher und ressourcenschonender gestaltet werden. Statt nur die Anschaffungskosten zu bewerten, können beispielsweise bei der Vergabe von Aufträgen die Lebenszykluskosten berücksichtigt werden. Diese umfassen nicht nur Bau- und Anschaffungskosten, sondern auch die Kosten für Nutzung, Wartung und Entsorgung. Dadurch wird der Fokus stärker auf nachhaltige Aspekte wie den Rückbau gelegt, was langfristig Ressourcen spart.
Einen Katalog für ökologische Baustoffe stellt das Webportal WECOBIS zur Verfügung, ein Projekt des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und der Bayerischen Architektenkammer (ByAK).
Eine weitere Möglichkeit, beispielsweise für angemietete Gebäude, ist die Nutzung zirkulärer Geschäftsmodelle für die Innenraumgestaltung. Insbesondere für die privatwirtschaftlichen Akteurinnen und Akteure kann ein Mietmodell von Interesse sein, um die direkten Investitionen sowie später anfallende Kosten für den Abbau oder die Entsorgung zu minimieren.
Altes Rathaus, Moers. Foto: Joachim Schmidt-Domine © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die Stadt als Rohstofflager
Ob Rückbau, Sanierung oder Umnutzung, in jedem Quartier entstehen Materialströme, die bislang häufig ungenutzt bleiben. Gleichzeitig stehen Kommunen vor den Herausforderungen steigender Materialpreise und begrenzter Ressourcen. Der Ansatz, Städte und Quartiere als Rohstofflager zu verstehen und eine Umbaukultur sichtbar und praktisch umzusetzen, bietet hierfür einen wirkungsvollen Zugang.
In bestehenden Gebäuden, Infrastrukturen und technischen Anlagen liegen erhebliche Materialpotenziale, die im Zuge von Rückbau-, Sanierungs- oder Umbauvorhaben erschlossen werden können. Bestandsgebäude enthalten eine Vielzahl wertvoller Baustoffe und -teile – Ziegel, Holzbalken, Türen, Fenster oder Pflastersteine u.v.m. Statt diese kostenintensiv zu entsorgen, ist zu prüfen, welche davon im laufenden oder in zukünftigen Projekten weiterverwendet werden können. Das Quartier selbst wird damit zur (lokalen) Rohstoffquelle. Materialkosten können reduziert, Entsorgungskosten gesenkt und Emissionen verringert werden, die ansonsten bei einer Neuproduktion anfallen würden. Dieser zirkuläre Ansatz, auch bekannt als Urban Mining, fördert eine Umbaukultur, die auf Ressourcenschonung, Wertschöpfung vor Ort und langfristige Nutzbarkeit des Gebäudebestands setzt.