Quartiere auswählen

Mit der Auswahl des richtigen Quartiers für die integrierte energetische Stadtsanierung werden die entscheidenden Weichen für eine künftige Resilienz angesichts des Klimawandels und einer erfolgreichen Konzeptumsetzung gestellt.

Die Kernfragen: Welche grundsätzlichen Ziele möchten die handelnden Akteurinnen und Akteure mit der integrierten Quartiersentwicklung verfolgen? Welche Chancen und Anlässe bietet das letztendlich ausgewählte Quartier konkret für die Konzeptumsetzung? Ein fundierter Auswahlprozess beginnt bei der gesamtstädtischen Ebene. Er behält die langfristigen kommunalen Zukunftsziele und Strategien im Blick und grenzt schrittweise geeignete Quartiere aufgrund ihrer räumlichen und sozialen Rahmenbedingungen und ihrer Umsetzungschancen ein. 

Gemeinsame Ziele für das Quartier entwickeln

Das Quartier als klar abgegrenzter kommunaler Teilraum eignet sich besonders dazu, die strategischen Stadtentwicklungsziele aus gesamtstädtischen Konzepten projektorientiert und im überschaubaren Maßstab umzusetzen. Beispiele sind hier städtische Klimaschutzstrategien, aber auch Stadtentwicklungskonzepte, deren Ziele möglichst im Einklang mit der Umsetzung im Quartier stehen sollten. Dabei können die folgenden Fragestellungen leitend sein: Wie lässt sich ein Quartier bereits vor Projektstart sinnvoll abgrenzen? Welche inhaltlichen und formalen Aspekte sind zu beachten? 

Herne. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, Foto: Henk Wittinghofer.

Herne. © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, Foto: Henk Wittinghofer.

Repräsentative Quartierstypen und deren Merkmale

Ein großer Teil des Gebäudebestands Nordrhein-Westfalens lässt sich gemäß seiner räumlichen Struktur, der Gebäudetypologien, der baukulturellen und siedlungsgeschichtlichen Entwicklung und der soziodemografischen Rahmenbedingungen in repräsentative Quartierstypen einteilen. Diese Typisierung hilft dabei, bereits zu einem frühen Zeitpunkt den grundsätzlichen Handlungsrahmen einzuschätzen, da für die repräsentativen Quartierstypen und deren spezifischen Gebäudebestand bereits vielerorts Lösungen entwickelt und dokumentiert wurden. 

Auf Grundlage der Typenbetrachtung können jenseits der rein energetischen Aspekte rasch weitere Handlungsschwerpunkte wie beispielsweise Baukultur und Denkmalschutz, Barrierefreiheit, Leerstandsmanagement, Wohnumfeld, usw. identifiziert werden.

Im Folgenden werden repräsentative Quartierstypen mit besonderem Fokus auf Nordrhein-Westfalen und die integrierte Quartierssanierung beschrieben.

Chancen und Herausforderungen erkennen, Remscheid Honsberg. Foto: Daniel Sadrowski © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen NRW.

Chancen und Herausforderungen erkennen, Remscheid Honsberg. Foto: Daniel Sadrowski © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Chancentypisierung von Quartieren

Es ist sinnvoll, bei der Auswahl des Quartiers für die Konzeptentwicklung und Umsetzung, aufbauend auf den kommunalen Zielen und den stadträumlichen Rahmenbedingungen, gezielt zukünftige Umsetzungschancen zu berücksichtigen. Hierbei geht es darum, welche dynamischen Prozesse und Umbrüche im Quartier in den nächsten Jahren Ansatzpunkte für die erfolgreiche Quartierserneuerung bieten. Mögliche beispielhafte Anknüpfungspunkte im Folgenden im Überblick:

  • Geplante größere Umbau- oder Neubaumaßnahmen im Gebäude- und Infrastrukturbereich 
     
  • Beabsichtigte Sanierungsmaßnahmen von Wohnungsbauunternehmen
     
  • Einbindung in gesamtstädtische Konzepte (Stadtentwicklungskonzept, Klimakonzept) oder kommunale Entwicklungsmaßnahmen 
     
  • Einbindung in regionale und interkommunale Prozesse und Projekte (beispielsweise LEADER, Stadt-Umland-Verbünde)
     
  • Soziodemografische Umbrüche im Quartier (beispielsweise mittelfristige Überalterung mit Häufung von Leerständen)
     
  • Bürgerinitiativen mit konstruktivem Engagement rund um die Quartierserneuerung


Das nachfolgende Werkzeug einer Matrix zur Chancentypisierung von Quartieren erleichtert die Einschätzung von Umsetzungschancen und -hemmnissen im Quartier:
 

Gemeinsam Quartiere erneuern, Hohenlimburg Hoesch Siedlung in Hagen. Foto: Hans Blossey © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Gemeinsam Quartiere erneuern, Hohenlimburg Hoesch Siedlung in Hagen. Foto: Hans Blossey © Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Modellquartiere als Vorreiter

Für die Einschätzung von Umsetzungschancen der eigenen Quartiere ist es hilfreich, einen Blick auf repräsentative Modellquartiere als Vorreiter und deren Ausgangslage und Rahmenbedingungen zu werfen. Besonderes Augenmerk verdienen die Ergebnisse des Begleitforschungsprozesses zum KfW-Programm „432 – Energetische Stadtsanierung“, welches unter Federführung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, kurz BBSR, von 2012 bis 2017 durchgeführt wurde.


In einem Arbeitsprozess mit 63 Pilotprojekten und deren Akteurinnen und Akteure hat die Begleitforschung Erkenntnisse über die Wirkung von integrierten energetischen Quartierskonzepten sowie die Arbeitsweisen von Sanierungsmanagements herausgearbeitet und die Quartiere nach ihren Startvoraussetzungen und den Umsetzungsbedingungen kategorisiert. Die Links zu den Modellquartieren und den Ergebnissen der Begleitforschung Verweise auf modellhafte Quartiere.