ReVier gewinnt

Zukunft mit Herkunft

Von der Braunkohle zur Boom-Region: Das ist das Zukunftsbild für das Rheinische Revier. Der Braunkohletagebau hat über Jahrzehnte Landschaften und Städte stark verändert. Jetzt geht es darum, diese Spuren zu nutzen und daraus Orte zu machen, mit denen sich Menschen identifizieren, an denen man gerne lebt und die auch für andere attraktiv sind.

Dabei spielt sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft eine wichtige Rolle: Die Orte sollen weiterhin ihre Geschichte und ihren Charakter zeigen, doch gleichzeitig auch Antworten geben auf die Frage, wie wir in Zukunft leben möchten – modern, nachhaltig und mit hoher Lebensqualität. So können beeindruckende Projekte entstehen, die motivieren und eine Region, in der auch Unternehmen, Fachkräfte, Auszubildende oder Start-ups gerne bleiben oder sich neu ansiedeln.

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt alle Kommunen im Rheinischen Revier, ihre Heimat lebenswert und zukunftssicher zu machen. 

Industrie & Baudenkmäler

Industrie & Baudenkmäler

Orte revitalisieren – Gemeinsames gestalten

Die Dörfer Bürgewald (ehemals Morschenich-Alt, Gemeinde Merzenich) sowie Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich und Berverath (Stadt Erkelenz) werden nicht mehr dem Braunkohletagebau weichen müssen – dies wurde in den Leitentscheidungen in den Jahren 2021 und 2023 festgelegt. Allerdings waren viele dieser Orte zu dem Zeitpunkt bereits fast menschenleer und viele Häuser in schlechtem Zustand.

Deshalb hat das Bauministerium gemeinsam mit den betroffenen Städten und Gemeinden einen Planungs- und Entwicklungsprozess gestartet. Ziel ist es, diese Dörfer wiederzubeleben – als lebenswerte „Orte der Zukunft“. Mit Fördermitteln soll die öffentliche Infrastruktur instandgesetzt und weiterentwickelt werden – damit die Menschen dort gut leben, arbeiten und sich versorgen können und sich in attraktiven Orten der Zukunft wiederfinden.

Zum Beispiel

Die Gemeinde Merzenich hat den gesamten Ort Bürgewald (vormals Morschenich-Alt) mit Hilfe von Fördermitteln von der RWE Power AG erworben. Bürgewald wird zu einem Reallabor für eine klimagerechte und ressourcenschonende Entwicklung. In Verbindung mit der konsequenten Anwendung des Erbbaurechts werden innovative Ansätze in Architektur und Infrastruktur umgesetzt. Ziel ist es, Initiativen, Bauwillige, Mieterinnen oder Mieter für den Aufbau der Dörfer zu begeistern sowie ihre Konzepte und Ideen zur gemeinschaftlichen Bebauung und Nutzung von Baufeldern (Zukunftsfelder) einzubringen. Eine erste Bewilligung ist bereits erfolgt.

Industrie & Baudenkmäler

Industriekultur erhalten – Identität bewahren

Der Braunkohletagebau hat sichtbare Spuren in der Region hinterlassen. Alte Kraftwerke, Anlagen, Förderbänder und kleinere Betriebsflächen prägen vielerorts das Umfeld der Menschen. Das Ministerium unterstützt die Städte und Gemeinden dabei, solche Flächen wieder sinnvoll zu nutzen – ganz im Sinne einer kompakten, lebenswerten Stadt. Ziel ist es, ungenutzte oder beeinträchtigte Orte zu beleben und weiterzuentwickeln. Damit wird vorhandene Bausubstanz – sogenannte „graue Energie“ – besser genutzt, wichtige Orte mit Wiedererkennungswert bleiben erhalten, neuer Flächenverbrauch wird verringert und das Stadtbild wird attraktiver und unverwechselbar gestaltet.

Zum Beispiel

Die Umnutzung des Kraftwerks Frimmersdorf in Grevenbroich zu einem Digitalpark zeigt, wie der Strukturwandel organisiert und erfolgreich umgesetzt werden kann. Der Zentrale Kraftwerksbau mit seiner 550 Meter langen Maschinenhalle wird Herzstück des Coal2Cloud Campus Frimmersdorf. Die hervorragenden Standorteigenschaften wecken das Interesse von Investoren aus Deutschland, Europa und Übersee.

Industrie & Baudenkmäler

Baudenkmäler wiedernutzen – auf Historie setzen

Markante historische Gebäude und Denkmäler sind wichtige Zeugen der Stadtgeschichte. Ihr Erhalt, eine denkmalgerechte Sanierung und neue kreative Nutzungen können das gesamte Stadt- und Ortsbild aufwerten. So entsteht Neues an alten Orten, die für Bürgerinnen und Bürger Kennzeichen der Heimat werden. Das Bauministerium fördert in diesem Zusammenhang mehrere bedeutende Objekte im Rheinischen Revier.

Der Abschluss des Braunkohletagebaus gibt auch einmalige Gebäude und Anlagen frei, die allein durch ihre Anziehungskraft ideal geeignet sind, kulturelle Angebote und besondere Events zu etablieren und Interessierte  weit über die Region hinaus zu erreichen. 

Zum Beispiel

Das ehemalige und denkmalgeschützte Polizeipräsidium in Mönchengladbach wird mit Mitteln des Bauministeriums umfassend saniert und zu einem modernen Bildungs- und Innovationscampus transformiert. 

Nach der Sanierung der ehemaligen Manheimer Kirche nahe Kerpen mit Fördermitteln werden zukünftig kulturelle Veranstaltungen, Messen sowie private und Firmenfeiern stattfinden können. Im Zuge der geförderten Neugestaltung des rund neun Hektar großen Umfelds wird auch der weltweit größte Braunkohlebagger mit 90 Metern Höhe und 180 Metern Länge einen Standplatz bekommen und als technisches Denkmal gesichert. Kirche und Bagger bieten eine einmalige Kulisse für ein jährlich stattfindendes Musikfestival mit einer Vielzahl an Besuchern.

Industrie & Baudenkmäler

Orte mit Einblick – Geschichte vermitteln

Durch die Erschließung der Tagebaugebiete entsteht an bestimmten Orten die Chance, die Geschichte des Braunkohleabbaus und ihrer Nutzung anschaulich und direkt vor Ort zu erzählen und zu bewahren. Mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten können an verschiedenen Standorten Ausstellungen entstehen, die zusammen ein umfassendes Bild dieser wichtigen regionalen Geschichte vermitteln.

Zum Beispiel

Das Dokumentationszentrum Garzweiler bildet den Auftakt einer Reihe von Informationszentren, die Einblicke in die Geschichte der Braunkohleregion bieten. Es ist in das „Grüne Band“ entlang des Abbaubereiches eingebettet und wird bis zur Entstehung des Sees interessante Ausblicke in den Abbaubereich ermöglichen. Die Errichtung des Gebäudes und die Gestaltung des Umfelds wird vom MHKBD gefördert. 

Arbeiten & Gewerbe

Arbeiten & Gewerbe

Räume neu gestalten – Klimawandel berücksichtigen

Städte müssen sich besser auf extreme Wetterlagen wie Hitzewellen oder starke Regenfälle einstellen. Widerstandsfähiger werden sie, indem vor allem öffentliche Räume anders geplant und gestaltet werden. Dazu gehören zum Beispiel Flächen, auf denen Regenwasser versickern kann, ausreichend Platz zum Zurückhalten von Wasser sowie viele grüne Elemente wie Bäume, Pflanzen und auch begrünte Dächer und Fassaden – an Straßen, Wegen, Plätzen und Gebäuden. Das Ministerium unterstützt solche Vorhaben und macht damit neue, mutige Ideen für eine zukunftsfähige Stadtgestaltung möglich.

Zum Beispiel

Das Innovationsquartier Düren (IQD) ist ein neues Stadtviertel mit gemischter Nutzung direkt am südlichen Eingang des Dürener Bahnhofs. Geplant ist eine grüne Promenade für Fußgänger und Radfahrer als Herzstück des Quartiers. Sie verbindet mehrere neue Plätze miteinander und schafft so lebendige Aufenthaltsbereiche. Aktuell entstehen dort eine moderne Fahrradstation mit rund 700 Stellplätzen, das neue Gebäude des Nelly-Pütz-Berufskollegs am südlichen Bahnhofsvorplatz sowie die Modellfabrik Papier. Die Stadt Düren verfolgt dabei hohe Nachhaltigkeitsziele und strebt für das Quartier die DGNB-Platin-Zertifizierung an – das ist die höchste Auszeichnung für besonders umweltfreundliches und zukunftsfähiges Bauen.

Arbeiten & Gewerbe

Gewerbeflächen und Bauland entwickeln – partnerschaftlich handeln

Damit neue Arbeitsplätze entstehen und sich Unternehmen ansiedeln können, braucht es gut erreichbare und attraktive Flächen für die Wirtschaft. Für einen erfolgreichen Strukturwandel ist es besonders wichtig, der Wirtschaft Zugang zu passenden Grundstücken zu ermöglichen – und dabei die erforderliche Unterstützung und Zustimmung seitens Verwaltung und Gesellschaft für die Entwicklung von Bauland zu erreichen.

Ein nützlicher Schritt in diese Richtung ist die Gründung der Perspektive.Struktur.Wandel GmbH. Das Bauinisterium hat sie zusammen mit der RWE Power AG ins Leben gerufen, um gemeinsam mit den Städten und Gemeinden große, bereits bebaute Flächen umzunutzen. Mit Unterstützung des Bauministeriums werden vor allem ehemalige Kraftwerksstandorte und Tagebau-Anlagen neu geplant. Die Umsetzung soll dabei in der Regel in Eigenregie durch die Investierenden erfolgen – also wirtschaftlich tragfähig und zukunftsorientiert.

Zum Beispiel

Die 110 ha große Fläche der Tagesanlagen-Hambach in Niederzier wird zu einem Industrie- und Mischgebiet umgewandelt. Hier können Bauplätze für große Ansiedlungen „aus einer Hand“ angeboten, aber auch Sporteinrichtungen realisiert werden.

Arbeiten & Gewerbe

Next-Generation – Reallabore verankern

Klimaneutralität und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sind zentrale Ziele in allen Projekten des Ministeriums – genauso wie der Ausbau moderner, zukunftsfähiger Technologien. Deshalb sollen an vielen Orten neue, innovative Bau- und Betriebsverfahren ausprobiert werden. Solche Reallabore bringen kreative Ansätze und gute Beispiele hervor, wie klimafreundliches und ressourcenschonendes Handeln im Alltag funktioniert – und möglichst viele davon profitieren.

Zum Beispiel

Die Internationale Bau- und Technologieausstellung (IBTA) hat das Ziel, beispielhafte Projekte im internationalen Kontext zu präsentieren. Diese Projekte, die als Next Practice gelten, bieten grundlegend neue und integrierte Lösungsansätze von internationaler Relevanz und werden im Rheinischen Revier umgesetzt. IBTA-Projekte sollen zeigen, dass nachhaltige Wertschöpfung und ein kluger, CO2-neutraler Ressourceneinsatz an einem Ort möglich sind. Der Einsatz klimaneutraler Baumaterialien wie Holz, nachwachsende Rohstoffe und recycelte Baumaterialien sowie flächen- und ressourceneffiziente Gebäudetypologien, die zur Senkung von CO2-Emissionen beitragen, spielen dabei eine zentrale Rolle.

Wohnen & Erholung

Wohnen & Erholung

Ausblicke schaffen – Erholung und Tourismus stärken

Regionale Freizeitangebote ziehen touristische Gäste an und schaffen zugleich ein lebenswertes Umfeld für die Bevölkerung vor Ort. Städtebauliche Vorhaben, die auf die Erholungs- und Freizeitbedarfe der Menschen abzielen, stellen so einen doppelten Gewinn für die Region dar.

Zum Beispiel

Das Bauministerium fördert den Bau des Bürger- und Informationszentrums Sophienhöhe. In einer einmaligen Kulisse mit faszinierenden Ausblicken entsteht ein Ort der Begegnung für die Bürger aus Niederzier und Elsdorf, aber auch für die zahlreichen Wanderer und Radfahrer, die sich vor Ort in einer Ausstellung informieren, die Gastronomie genießen und die sich wandelnde Landschaft des Rheinischen Reviers aus einer besonderen Perspektive erleben können.

Wohnen & Erholung

Gut ankommen – Bahnhöfe aufwerten

Damit Mobilität insgesamt besser und umweltfreundlicher wird, ist es wichtig, dass verschiedene Verkehrsmittel gut miteinander verbunden sind. Modernisierte Bahnhöfe und Verkehrsstationen spielen dabei eine wichtige Rolle: An einer herausragenden Stelle können sie zu einer echten Visitenkarte für zeitgemäße Stadtentwicklung werden und machen auch den öffentlichen Nahverkehr auf der Schiene attraktiver. So wird es für die Bürgerinnen und Bürger einfacher, vom Auto auf Bahn und Bus umzusteigen.

Zum Beispiel

Der Bahnhof Düren als bedeutsames Baudenkmal wird in seinem historischen Erscheinungsbild saniert und nicht nur als ein Ort mit verbesserten Angeboten für Reisende ausgestaltet, sondern auch zu einem Treffpunkt für die Bürgerschaft. Sein Umfeld wird mit neuer Infrastruktur und einer besonders nachhaltigen Bauweise bei Gebäuden und Straßen als Innovationsquartier hergerichtet. 

Wohnen & Erholung

Grünachsen ausbauen – Seen einbetten

Die Entstehung einer Seenlandschaft wird sich über viele Jahre vollziehen. Auf dem Weg dorthin wird sich die die Attraktivität und der Erholungswert der Region deutlich verändern. Landschaftlich naturnah gestaltete Verbindungen aus den umliegenden Orten und Dörfern zu den Seen werden erheblich zur Naherholung und zum Mikroklima beitragen. Neue Infrastrukturen, Fuß- und Radwege, Spiel- und Sportangebote werden die Lebensqualität im Rheinischen Revier erheblich bereichern.

Zum Beispiel

Die Reaktivierung und Neugestaltung der brachliegenden ehemaligen Bahntrasse in Elsdorf zu einem grünen, ökologisch wertvollen Band, das sich in Nord-Süd-Richtung durch den Hauptort von Elsdorf bis hin zum Tagebau Hambach erstreckt, wird mit Fördermitteln unterstützt. Diese Bahntrasse wird zu einer durchgängigen und barrierefreien Verbindung für Fußgänger und Radfahrer umgestaltet und macht den Ort und den Tagebau in seiner Entwicklung erlebbar. 

Wohnen & Erholung

Wohnumfeld verbessern – Plätze für alle schaffen

Öffentliche Räume mit Aufenthaltsqualität und Kulturangeboten, Parks und Grünflächen und Parks machen Innenstädte und Dörfer lebendig. Sie sorgen dafür, dass sich Menschen dort wohler fühlen – im Alltag genauso wie in der Freizeit. Plätze, die zu Austausch und Gemeinschaft einladen, Bäume, die Schatten spenden, und dichte Bepflanzung leisten außerdem einen wichtigen Beitrag, um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. 

Zum Beispiel

In Inden ist vom historischen Gut Müllenark eine Grünachse zum künftigen See möglich, die den Wandel in einer nachhaltigen Parklandschaft den Wandel erlebbar macht und der Bewohnerschaft Bereiche unterschiedlicher Aktivität und Aufenthaltsqualität bietet.